Die Wissenschaft

Das allgemeine Ziel, Grundlagenforschung über die physikalischen und chemischen Zustandsbedingungen und Prozesse in der tieferen Erdkruste zum Verständnis von Dynamik und Evolution intrakontinentaler Krustenbereiche zu betreiben, verbindet fünf Hauptforschungsthemen:

  • Die Natur geophysikalischer Strukturen und Phänomene (seismische Reflektoren; elektrische, magnetische und gravimetrische Anomalien)
  • Das Spannungsfeld der Erdkruste und der Spröd-duktil-Übergang (Orientierung und Größe mechanischer Spannungen als Funktion der Tiefe)
  • Die thermische Struktur der Erdkruste (Temperaturverteilung, Wärmestrom und Wärmeproduktion)
  • Gesteinsfluide und Stofftransportprozesse (Fluidquellen, Fluidhaushalt und Fluidwegsamkeiten)
  • Strukturbau und Evolution der Internzone der variszischen Kruste Mitteleuropas (Eigenschaften, Deformationsmechanismen und Dynamik eines mehrfach reaktivierten Krustentyps)

Mit der Festlegung der Hauptforschungsthemen rückten die potenziellen Zielgebiete Oberpfalz und Schwarzwald in den Mittelpunkt der Überlegungen. In beiden Regionen wurde deshalb eine intensive Vorerkundung durchgeführt. Es zeigte sich, dass beide Gebiete wichtige Beiträge zu allen Hauptforschungsthemen liefern würden und eine Fülle an hochaktuellen geowissenschaftlichen Fragestellungen boten. Letztlich fiel eine einstimmige Entscheidung für die Oberpfalz, weil für diese Region ein reduzierter Temperaturanstieg zur Tiefe prognostiziert werden konnte.

Als besondere wissenschaftliche Attraktionen der Lokation in der Oberpfalz wurde herausgestellt, dass

  • die Bohrung im Kollisionsbereich von zwei großen Baueinheiten des sogenannten variszischen Gebirges liegt
  • die Geologie der Umgebung durch Gesteinskomplexe unterschiedlicher Entstehungs- und Umwandlungsgeschichte charakterisiert wird, für welches ein interessantes Entstehungsmodell vorlag, das mit Hilfe einer übertiefen Bohrung getestet werden konnte
  • die Bohrung im Bereich ausgeprägter Anomalien des Schwere- und Magnetfeldes der Erde liegt und sich durch eine starke Anomalie des elektrischen Eigenpotenzials auszeichnet
  • nach den geophysikalischen Voruntersuchungen seismische Reflektoren in erbohrbarer Tiefe angetroffen werden konnten und im Teufenabschnitt zwischen 9.000 und 11.000 m ein guter elektrischer Leiter auftritt, dessen Ursache unbekannt ist
  • sich die Nähe des geologisch jungen Eger-Grabens durch messbare thermische und geochemische Anomalien dokumentieren könnte