“Das tiefe Loch” – Eine Broschüre für den schnellen Überblick

Einen Blick hinter die Kulissen, in das Feldlabor, ins Probenarchiv und auf den Bohrturm eröffnet die Broschüre “Das tiefe Loch”. Die nunmehr 5. Auflage dieser Broschüre mit dem aktuellen Stand nach dem Abschluss der Hauptbohrung KTB-HB (9101 m Endteufe) erhalten Sie in unserem GEO-Shop.

AUF DEM WEG IN DIE TIEFE DER ERDKRUSTE

Geowissenschaftliche Sensationen, bisher kilometertief in der Erde verborgen, wurden in der Oberpfalz ans Tageslicht befördert. Die Marksteine auf dem Weg in die Tiefe: Zuerst wurde ein 4001 m tiefes Loch gebohrt, die Vorbohrung, von der ein großer Teil mit Bohrkernen dokumentiert ist. Danach folgte die Hauptbohrung: Mit einem neuen Verfahren wurde dabei erstmals in der Bohrgeschichte ein technisch senkrechtes Loch erzielt. Aber der Weg dort hin war voller Schwierigkeiten. Der Abschluss der Hauptbohrung war bei einer Tiefe von 9101 m nach 1468 Bohrtagen am 12. Oktober 1994 erreicht.

Ein Programm mit Experimenten und Langzeit-Beobachtung dauert bis heute an und liefert weiterhin interessante Ergebnisse zur Erdbebenforschung, für die Erdwärmenutzung und über das Verhalten von Flüssigkeiten in der Kruste.

KRUMME TOUREN GAB ES ERST MAL NICHT

Für das Erreichen einer großen Bohrtiefe, geplant waren 12.000 m, ist ein möglichst senkrechtes Bohrloch notwendig. Beim Bohren weicht der Bohrmeißel von der Senkrechten ab und folgt den Gesteins-Strukturen. Starke Krümmungen des Bohrlochs führen aber zu enormen Reibungen und großer mechanischer Beanspruchung des Bohrstranges beim Bohren und Ausbauen. Er kann dann abreißen. Aufwändige Fangarbeiten, Verlust von Bohrgestänge bis hin zur Aufgabe des Bohrloches sind dann die Folge. Für die KTB-Hauptbohrung wurde deshalb ein Vertikalbohrsystem entwickelt, das unter Tage automatisch den gewünschten Kurs verfolgt. Auf diese Weise gelang es weltweit erstmals, ein nahezu senkrechtes Bohrloch über mehrere Kilometer voranzutreiben. Ab einer Tiefe von 7500 Metern aber verhinderten die hohen Temperaturen den weiteren Einsatz des elektronischen Vertikalbohrsystems. So war dann eine Abweichung um über 300 m von der Senkrechten nicht mehr zu verhindern.